Internetmedizin: Häufig gestellte Fragen!

Was ist Internetmedizin?

Internetmedizin bezeichnet die interaktive Vorbeugung, Erkennung und Behandlung von Krankheiten und Verletzungen unter Nutzung des Internets und seiner Applikationen (Vorberg, Müschenich, 2013). Damit beschreibt die Internetmedizin alle Dienste im Internet, die vorbeugend, vorbereitend oder begleitend zum physischen Arztbesuch den Nutzer medizinisch informieren und leiten. 

 

Welche Beispiele gibt es schon für Internetmedizin?

Nur einige ausgewählte Beispiele für Dienste der Internetmedizin sind: Intelligente Arztsuche (docinsider, arzttermine.de); Qualitätssuche (Qualitätskliniken.de); Diagnoseportale (goderma); Online-Rezept (Dr. Ed); Gesundheitsassistenten (epevita, careon); Therapiedienste (novego, tinnitacks); Schwangerendienste (MommyApp); Kinderwunschdienste (Parenting Media); Medizinvideos (Frag einen Professor); Arzt- / Patientenkommunikation (PocketAid); digitale Therapie (caterna vision); 2. Meinung (Zweitmeinung TK)…

 

Was ist neu an der Internetmedizin?

Durch das Internet und insbesondere durch die Verbreitung der Smartphone besteht heute die Möglichkeit jederzeit und überall individuelle Informationen und wissenschaftliche Erkenntnisse zu verknüpfen und dem Nutzer ein umfassendes Bild seines gesundheitlichen Zustandes zugeschnitten auf seine medizinischen Interessen zu liefern. 

 

Was ändert sich für den Nutzer?

Das Internet hat bisher jede relevante Branche grundlegend verändert. Das Internet wird die Medizin wohl ähnlich wie die Erotikbranche verändern. Die physischen Notwendigkeiten werden durch das Internet nicht ersetzt werden. Alle Möglichkeiten der virtuellen Kommunikation (Schrift, Audio, Bild, Video) wird der Nutzer im Internet in Anspruch nehmen, um medizinische Informationen zu erlangen und seine Handlungen vorzubereiten.

 

Was ändert sich für die Branche?

Bisher war der Arzt Wächter über alle medizinischen Entscheidungen im Gesundheitswesen. Die gesamte verbundene Industrie und auch die Kostentragung in der Medizin haben sich auf diese ärztliche Steuerung aufgebaut. Die neue Aufklärung des Nutzers mit Hilfe des Internets wird eine Verlagerung dieser ärztlichen Weisungshoheit zum selbstbestimmten Patienten hin verlagern. Der Patient wird seine Gesundheit und auch seine Medizin in Zukunft zunächst selber in die Hand nehmen. Eine spätere ärztliche Weisung wird er aufgeklärt überwachen. Wie in anderen Branchen auch, wird das Internet einen völlig neuen Zweig der medizinischen Leistungserbringung ermöglichen. Diese Leistungen werden sich nicht unmittelbar in das bisherige Gesundheitswesen integrieren lassen, weil die Leistungen alleine auf die Interessen der Nutzer abgestimmt werden und sich auch alleine an dessen Interesse ausrichten. Da diese neue Leistungserbringung so auf die Masse ausgerichtet ist, wird von ihr eine erhebliche Marktmacht ausgehen. Die Einflussverhältnisse der Gesundheitsbrache werden sich verändern.

 

Wo liegen die rechtlichen Grenzen der Internetmedizin?

Rechtliche Fragen, wie z.B. Fernbehandlungsverbot oder Datenschutz werden keine nachhaltigen Hürden für die Internetmedizin darstellen. Derartige Fragestellungen lähmen nur das herkömmliche Gesundheitswesen, das sich immer um einen kleinsten gemeinsamen Nenner zum Nutzen aller Patienten gekümmert hat. Die Internetmedizin wird aber von dem innovativen Nutzer und seinen Bedürfnissen her getrieben. Schon jetzt zeigt sich, dass alle sinnvollen und nachgefragten Dienste der Internetmedizin es schaffen sich auch bei schwierigen Rechtslagen auf dem Markt durchzusetzen, selbst wenn dies, wie im Falle des Vorreiters Dr. Ed, bedeutet, dass man die Internetdienste aus dem Ausland anbieten muss. Wie in allen innovativen rechtlichen Fragestellungen wird die erste pauschale Ablehnung einer differenzierten Regulierung weichen. Damit beeinflussen die rechtlichen Fragen schon heute nur das „Wie“ der Internetmedizin nicht jedoch das „Ob“.

 

Wie können Teilnehmer am Gesundheitsmarkt reagieren?

Wie in anderen Branchen werden die Marktteilnehmer, welche die Möglichkeiten und Chancen der Internetnutzung in der Medizin unterschätzen es nicht leicht haben, die bisherigen Marktpositionen zu sichern. Alle zukunftsorientierten Teilnehmer am Gesundheitsmarkt tun gut daran, sich den möglichen Innovationen zu öffnen und hier alle Entwicklungen aufmerksam zu verfolgen. Die Grundlage der Marktveränderung ist dabei heute schon erkennbar. Die Zuweisung und damit Wertschöpfungskette im Gesundheitswesen wird in unmittelbarer Zukunft nicht mehr ausschließlich durch den Arzt gesteuert, sondern zunehmen mit Hilfe der Internetmedizin durch den Patienten selber. So wie der Einkauf heute mit z.B. Hilfe von Amazon durch den Käufer gesteuert wird. Auch wenn die physische Medizin nicht ersetzt wird,  können alte unbewegliche Leistungserbringer durch heute noch völlig unwesentliche neue Leistungserbringer überholt werden, die auf diese innovative Zuweisungsstruktur bauen. Das gilt für Leistungserbringer und Krankenkassen ebenso wie für die Industrie und die Apotheken. 

 
Sebastian Vorberg LL.M. (Houston) Fachanwalt für Medizinrecht Vorstandssprecher BiM

Sebastian Vorberg LL.M. (Houston)
Fachanwalt für Medizinrecht
Vorstandssprecher BiM

1 Comment on “Internetmedizin: Häufig gestellte Fragen!

  1. Viele Ärzte müssen sich in der Zukunft warm anziehen. Vorbei mit Gott in weiss, jetzt übernehmen die Patienten. Sich wehren bringt nichts – siehe Musikindustrie – es wird so kommen. Schlau ist da nur, wer seine Angst überwindet und von Anfang an dabei ist. Das werden die Marktführer von morgen sein.

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