Fahrtkosten besser absetzbar

Der Bundesfinanzhof (BFH) hat in jĂĽngster Rechtsprechung seine Beurteilung des lohnsteuerlichen Begriffs der regelmäßigen Arbeitsstätte geändert: Arbeitnehmer, die an mehreren Orten tätig sind, haben danach maximal eine – oder sogar gar keine – regelmäßige Arbeitsstätte und nicht wie bisher mehrere. Entscheidend ist der Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit. Dies hat zur Folge, dass Arbeitnehmer häufiger ihre Werbungskosten nach Reisekostengrundsätzen absetzen können und nicht mehr die Entfernungspauschale ansetzen mĂĽssen. Diese geänderte Rechtsprechung ist laut Finanzgericht Baden-WĂĽrttemberg auch auf Freiberufler ĂĽbertragbar. Denn verfassungsrechtlich ist eine Gleichbehandlung von Arbeitnehmern und den ĂĽbrigen Steuerzahlern geboten. Daher wird die neue, gĂĽnstige Sichtweise auch auf Betriebsstätten ausgeweitet, an denen berufliche oder gewerbliche Leistungen erbracht werden. Als regelmäßige Betriebsstätte gilt auch hier der ortsgebundene Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit des selbständig Tätigen. Die Fahrtkosten zu den ĂĽbrigen Einrichtungen sind in voller Höhe und nicht nur in Höhe der Entfernungspauschalen als Betriebsausgaben zu berĂĽcksichtigen. Darauf, dass es sich bei den ĂĽbrigen Tätigkeitsorten der Selbständigen um Betriebsstätten verschiedener Auftraggeber handelt, während Arbeitnehmer in mehreren betrieblichen Einrichtungen desselben Arbeitgebers tätig sind, kommt es nicht an. Die Zahl der Auftraggeber ist bei GewinneinkĂĽnften kein Kriterium fĂĽr den ortsgebundenen Mittelpunkt der betrieblichen Tätigkeit und hat auf die Anzahl der regelmäßigen Betriebsstätten keine Auswirkung. Die Finanzämter wenden die geänderte Rechtsprechung des BFH in allen offenen Fällen an. 

Peter Ulrich Paul Rechtsanwalt Steuerberater

Peter Ulrich Paul
Rechtsanwalt
Steuerberater

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